HUK-Coburg - Warum nicht?
Thorulf Müller der KVProfi:

Immer wieder werde ich nach Argumenten gefragt, weshalb man die HUK Coburg nicht versichern sollte!
Bei der HUK Coburg ist vieles sehr interessant. Z. B. hat die PKV keine eigenen Mitarbeiter. Das wird auch bei der Unterschrift auf dem Antrag eigentlich deutlich, wenn man das Kleingedruckte liest!
Mehrere Jahre hinweg hatte die HUK eine Überschussverwendungsquote von 100%. Gleichzeitig steigt das Eigenkapital in Prozent der Beitragseinnahme, obwohl die Beitragseinnahme gestiegen ist! Die Erklärung ist einfach – es wurden von außen dem Eigenkapital Mittel zugeführt! Das Eigenkapital heißt ja bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit auch Verlustrückstellung. Warum dotiert man die Verlustrückstellung mit zusätzlichen Mitteln?
Die Überzinssituation ist seit Jahren eher niedrig, auch das versicherungsgeschäftliche Ergebnis zeugt nicht von hohen Überschüssen oder Sicherheitszuschlägen!
Die Mittel für Limitierungen zukünftiger Beitragsanpassungen bei Bestandskunden sind unseres Erachtens eher sehr niedrig dotiert!
Die HUK fällt uns ebenfalls durch extrem niedrige Abschluss‐ und Verwaltungskosten auf! Wenn man die Struktur dieses Unternehmens kennt, dann beschleicht mich der Verdacht, dass diese Kosten nicht richtig berechnet sind oder in anderen Sparten verschwinden!
Die HUK hat neben den Modultarifen, die Tarife E, den neuen Tarif Select und demnächst dann noch neue Premium‐Tarife!
Bei den Modultarifen und den E‐Tarifen fällt die unterdurchschnittliche Beitragsentwicklung in den vergangenen Jahren auf. Mutmaßlich sind hier die positiven Spiraleffekte ausschlaggebend, die durch das unglaublich starke Wachstum in der zweiten Hälfte der 90er und der ersten Hälfte des aktuellen Jahrhunderts vorhanden waren! Diese Wachstumseffekte sind nun aber vorbei – die HUK hat 2008 nur noch 11.000 Vollversicherte netto dazugewonnen! Die nicht durchgeführten Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre (also unter dem durchschnittlichen Kostenanstieg der PKV) müssten nun eigentlich nachgeholt werden.
In einzelnen Tarifen (A1200) hat es bereits über 50 % ige Beitragsanpassungen Anfang 2009 gegeben. Dafür wurde dann ein Modultarif mit einem Selbstbehalt von 2.000 Euro geschaffen!
Der Tarif A150 wurde sogar für das Neugeschäft geschlossen – mutmaßlich passt sein Beitrag optisch nicht mehr ins Portefeuille!
Die E‐Tarife wurden zwischenzeitlich bei der Pax‐Familienfürsorge Krankenversicherung, die zu über 75 % der HUK gehört, eingeführt. Interessanterweise sind die E‐Tarife, die bei PAX ECO heißen, deutlich teurer, als bei der HUK! Wir sprechen hier von deutlich höheren Beiträgen, die m. E. auf den Anpassungsbedarf schließen lassen, der u. U. bei der HUK durch Wachstum (also Neukunden – positiver Spiraleffekt) die Anpassung noch nicht ausgelöst hat.
Mit Select und Premium werden nun neue Kundengruppen angesprochen – was mir nicht gefällt, ist aber, dass diese Tarife, nach den mir vorliegenden Unterlagen, nur mit Übertragswert angeboten werden. Damit werden Umwandlungen aus Alttarifen blockiert, da die Umwandler auf die Möglichkeit des Standardtarifs verzichten müssen!
Neben dem Hilfsmittelkatalog, der nur wenige Hilfsmittel nennt und den Krankenfahrstuhl stark einschränkt, fehlen die ambulanten Transporte und Fahrtkosten zum und vom Arzt bei ärztlich bescheinigter Gehunfähigkeit und bei therapeutischen Maßnahmen!
Medikamentenähnliche Nährmittel fehlen genauso, wie die Sondennahrung!
Bei Heilmittel wird nur für die Anwendungen der physikalischen Therapie geleistet, nicht jedoch für Ergotherapie, Logopädie und Podologie. Die Behandler fehlen auch vollständig in der Nennung zugelassener Behandler!
Dass stationäre Psychotherapie nur für maximal 30 Tage pro Jahr bezahlt wird, halten wir für eine unzumutbare Regelung! Im Schnitt dauert ein Aufenthalt bis zu 46 Tage, in der Spitze können es auch 180 Tage und mehr sein!
Noch kritischer ist die Aussage zur ambulanten Psychotherapie, denn hier wird die Zahl 30 Behandlungen genannt, ohne das auf das Jahr abgestellt wird. Das würde bedeuten, dass diese Reegelung für den Versicherungsfall gelten würde. Das bedeutet, dass ich 30 Sitzungen bezahlt bekomme für einen Versicherungsfall. Die Frage wäre, wann der Versicherungsfall, z. B. Depression, endet! Im positiven Fall nach ca. 3 Jahren, im negativen Fall niemals!
Dies gilt überwiegend für die althergebrachten Tarife, aber teilweise eben auch für die neuen Tarife!
Das Ganze, obwohl Anfang 2009 die Bedingungen erweitert wurden – es wurde eine Leistung für Lasik OP aufgenommen! Alle anderen notwendigen Änderungen wurden nicht durchgeführt.
In den Select Tarifen wurden die mutmaßlichen Fehler der Vergangenheit fortgeführt und mutmaßlich neue Fehler eingebaut. Wir verweisen insoweit auf die Ausarbeitung „neue Tarife der PKV – HUK Select“ bzw. die demnächst folgende Ausarbeitung zum HUK Tarif Premium!
Das Ganze ist unserer Meinung nach eine Tretmine der PKV, die auf sich unseres Erachtens alle Fehler vereinigt, die andere in der Vergangenheit schon gemacht haben!
Zwischenzeitlich ist auch klar, dass die Annahmepolitik zu wünschen übrig gelassen hat, wenn man uns vorliegende Fälle analysiert! Hier wurden Annahmeentscheidungen getroffen, die beim besten Willen nicht wirklich nachvollziehbar erscheinen!
Die HUK ist heute bereits einer der Marktführer in ST Bestand, was darauf zurückzuführen ist, dass die HUK Coburg Beamte, die über die Öffnungsaktion versichert werden könnten, ohne RZ im Tarif STB aufgenommen hat. Auch hier muss man sich die Frage stellen, wieso Beamte in STB versichert wurden, statt in die modularen Beihilfe‐Restkosten‐Versicherungen!
Ich bin auch gespannt darauf, wie viele Kunden die HUK in BTN/BTB geschluckt hat, als am 01.01.2009 die Pflicht zur Versicherung eingeführt wurde!
Insgesamt sehe ich zurzeit eher schwarze Wolken am Horizont, als Silberstreifen, wenn ich mir die zukünftige Entwicklung der HUK ausmale! Durch die Beitragsanpassungen, die sich andeuten, wird der, überwiegend über das optimale Preis‐/Leistungsverhältnis eingekaufte Bestand, unruhig werden. Die gefühlte Beitragsanpassung wird eher hoch ausfallen, da nicht ausreichend Limitierungsmittel zur Verfügung zu stehen scheinen! Das wird zu einer Abwanderung des Neugeschäftes der vergangenen fünf Jahre führen – allerdings nur der gesunden guten Risiken. Das beschleunigt dann als negativer Spiraleffekte weitere zukünftige Beitragsanpassungen! Eine Spirale unter der schon die Mannheimer KV AG fast gescheitert wäre!
Insgesamt eine bedenkliche Situation, weil es eine zwischenzeitlich große PKV erwischt, was zu entsprechenden Reaktionen in der Presse führen wird. Das ist nicht positiv für die Branche insgesamt.
Bei einer Entscheidung sollte man sich die Beitragsentwicklung der Vergangenheit betrachten und sich fragen, wie bei 5 % durchschnittlich steigenden Kosten, diese Beitragsentwicklung sein kann. Sinnvoll ist auch immer der Preisvergleich der einzelnen Module der Modultarife! Die größte Abweichung ergibt sich regelmäßig bei stationären und ambulanten Modulen. Berücksichtigt man, dass die HUK als Private Krankenversicherung 1990 an den Markt gegangen ist und das der größte Teil des Zuwachses zwischen 1996 und 2005 stattgefunden hat, dann stellt sich die Frage, wie viele 70 jährige Kunden die HUK in den
Modultarifen hat!
In den Beamtentarifen, wo sie historisch mehr ältere Kunden innerhalb der HUK‐Coburg Gruppe versichert hat, mag die Zahl höher sein! Hier ist die Situation im Preisranking auch nicht mehr so positiv, wie noch vor ca. 5-10 Jahren!
Die HUK Coburg erscheint aus wirtschaftlichen Gründen und auf der Basis der in den Bedingungen garantierten Leistungen, aber vor allem aufgrund des erheblichen Nachholbedarfs in Beitragsanpassung keine gute Empfehlung zu sein, wenn man eine längerfristige beitragsstabile und leistungsstarke Versicherung sucht!
Bergheim 21.06.2010
© Thorulf Müller der KVProfi